Saarbrücker Erklärung der bildungspolitischen Sprecher der CDU/CSU Landtagsfraktionen

Saarbrücker Erklärung der bildungspolitischen Sprecher der CDU/CSU Landtagsfraktionen

Schulische Inklusion mit Augenmaß

Das christliche Menschenbild als Leitbild der schulpolitischen Sprecherinnen und Sprecher der CDU/CSU-Landtagsfraktionen hat eine Gesellschaft vor Augen, in der jeder Mensch mit seinen individuellen Besonderheiten gewollt ist und dazugehört. So verschieden Menschen mit Behinderungen sind, so vielfältig sind ihre Bedürfnisse. Mehr schulische Inklusion ist unser Ziel, sie muss aber unter Wahrung des An-spruchs der Betroffenen auf Qualität in der Bildung, Erziehung und – bei Bedarf – der Betreuung erfolgen.

CDU/CSU stellen den Menschen in den Mittelpunkt. Das bedeutet für uns, die Vielfalt der Lebensläufe, Möglichkeiten und Bedürfnisse in den Blick zu nehmen und im Rahmen des Umsetzungsprozesses zu berücksichtigen. Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen soll bestmöglich zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und zur Entfaltung ihrer Fähigkeiten geholfen werden. Dies ist das Ziel des Inklusionsprozesses. Dies war und ist aber auch der Anspruch der Förderschulen. Für bestimmte Kinder und Jugendliche mit Behinderungen kann der Besuch einer Förderschule weiterhin der richtige Bildungsweg sein. Auch kann nur ein zeitweiser Besuch einer Förderschule angemessen sein. Notwendig sind deshalb durchlässige Strukturen. Der Erhalt von Förderschulen ermöglicht daher die Wahlfreiheit von Eltern zum besten Förderort für ihre Kinder. Eltern, die ihr Kind aufgrund der jahrzehntelang entwickelten guten Förderbedingungen und der großen Professionalität der Förderschulen in dieser Einrichtung weiter gefördert wissen wollen, verdienen denselben Respekt wie Eltern, die einen Regelschulplatz für ihr Kind wünschen.

Die Umstrukturierung des komplexen Systems von sonderpädagogischen Einrichtungen und allgemeinen Schulen stellt eine große Herausforderung für alle Beteiligten dar. Das Fach- und Erfahrungswissen der Sonderpädagogen, wenn es an inklusiven Lernorten eingesetzt wird, bietet die Chance, Schülerinnen und Schüler bzw. Eltern und Lehrkräfte in hoher Qualität fördern bzw. unterstützen zu können.

Sowohl bei Eltern von Kindern mit Behinderung, wie auch bei Eltern von Kindern ohne Behinderung ist Vertrauen auf eine gelingende Entwicklung hin zu einem funktionierenden inklusiven Schulsystem eine wichtige Voraussetzung. Dieses Vertrauen droht durch eine übereilte und nicht vorbereitete Umsetzung der Inklusion in den Schulen zu schwinden.
Folgende Qualitätsstandards sind aus Sicht der schulpolitischen Sprecherinnen und Sprecher der CDU/CSU-Landtagsfraktionen für den Erfolg der schulischen Inklusion unverzichtbar:

 Das inklusive Schulsystem muss immer die Belange aller Schülerinnen und Schüler im Auge haben. Gelingt das nicht, besteht die Gefahr, dass die Inklusion aufgrund von Akzeptanzproblemen scheitert.

 In den Klassen muss ein ausgewogenes Verhältnis von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf zu denjenigen, die einen solchen Bedarf nicht haben, eingehalten werden.

 Schulen, die den Weg der Inklusion gehen wollen, haben einen Anspruch auf garantierte Fortbildungs- und Beratungsmodule für das ganze Personal als Qualitätsvoraussetzung. Praxisnahe Fortbildungsprogramme für Kollegien aller Schulformen, die die schulformspezifischen Anforderungen und Ausgangslagen berücksichtigen müssen gewährleistet sein.

 Der hohe Standard, mit dem Kinder und Jugendliche mit Behinderungen heute gefördert werden, darf bei der Inklusion nicht unterschritten werden. Jede Schule, die sich auf den Weg zur Inklusion macht, muss mit ausreichenden räumlichen, personellen und sachlichen Mitteln versorgt sein.

 Auf dem Weg zu einem hochwertigen, inklusiven Schulsystem ist das Elternwahlrecht für den besten Förderort der Kinder zu respektieren. Dafür ist eine unabhängige Beratung, die den Eltern ihre Rechte und Möglichkeiten darlegt, notwendig.

 Je nach der Art der Behinderung sind unterschiedliche Betreuungskompetenzen notwendig, um neben der unterrichtlichen Förderung auch eine sichere Betreuung der Kinder und Jugendlichen zu gewährleisten. Daher sind multiprofessionelle Teams – beispielsweise Sozialpädagogen, Psychologen und Therapeuten – für Schulen mit inklusivem Unterricht notwendig. Wichtig dabei ist, dass die entsprechenden zusätzlichen Akteure an den Schulen abgestimmt arbeiten und insbesondere die schulischen Gegebenheiten mit Schulbegleitungen und Diagnostik im Rahmen der Eingliederungshilfe verzahnt werden.

 In den offenen Ganztagsgrundschulen ist die Betreuung der Kinder mit Behinderungen oft nicht gewährleistet, weil Integrationshelfer/innen nur für verpflichtende Schulangebote bezahlt werden. Damit die Kinder mit Behinderungen nicht ausgeschlossen werden, sollen die Kosten für die Integrationshelfer auch bei offenen Ganztagsgrundschulen im Rahmen der Eingliederungshilfe übernommen werden.

 Förderschulen, die erfolgreich arbeiten, sollen die Möglichkeit erhalten, gerade auch bei guten Inklusionserfolgen, dauerhaft auch als regionale Kompetenzzentren bestehen zu bleiben. Sie können Netzwerke fördern, Hilfen zusammenführen und sonderpädagogische Fachkompetenz weiterentwickeln, mit der auch in ländlichen Regionen eine optimale und dauerhafte Unterstützung kleiner Schulen gewährleistet ist.

 Die Beibehaltung des Studiengangs Sonderpädagogik ist unerlässlich, um Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf auch in Zukunft qualitativ hochwertig und umfassend unterstützen zu können. Daneben ist es notwendig allen Lehrkräften eine Grundkompetenz im Umgang mit Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf zu vermitteln.

 Angesichts der unterschiedlichen Diagnoseverfahren und Förderquoten in den 16 Bundesländern ist eine länderübergreifende Standardisierung diagnostischer Zugänge sowie der Festlegung und Einhaltung diagnostischer Gütekriterien (Objektivität, Reliabilität, Validität, Normierung) sinnvoll. Eine Verzahnung der verschiedenen Verfahren unterschiedlicher Behörden ist anzustreben.

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